Nur aus Erfahrungen lernen wir


Es wird nie mehr so sein wie es einmal war. Die Krise führt zu Änderungen. Auch Corona, nach Corona wird es anders. Oder meinen Sie wirklich, dass wenn wir irgendwann mal das Virus bekämpft haben, es zurück in die Zeit geht? Leider, die Erfahrungen, die wir jetzt machen, werden bleibende Realität. Es wird nie mehr so sein wie es einmal war. Wir lernen aus Erfahrungen. Doch nicht jeder.

Corona geht, wird uns aber noch lange begleiten, weil wir neue Erfahrungen machen. Die Zukunft bleibt uns oft wegen der mangelnden Erfahrungen versperrt. Nicht wegen ein Nicht-Wissen. Wir, Niederländer und Deutschen, beginnen oftmals nicht gerne freiwillig etwas Neues, nur aus Neugier zum Beispiel. Einmal für ein paar Tage Zoom benutzen? Skype? WhatsApp? „Oh nein, da kenne ich mich nicht aus. Was nutzt es mir?“ Die Folge, wer es ablehnt, mal neue Erfahrungen zu machen, der bleibt in seiner eigenen kleinen Welt gefangen.

Aber neuen Zwangserfahrungen bleiben uns. Die bleiben bei denen, die aus Erfahrungen lernen. Vieles wird sich verändern, jenseits von Corona. Vieles Alte wird schneller vergehen, als man es befürchten musste. Vieles Neue kommt schneller, als man dachte. Denn der Erfahrungsraum hat sich vergrößert. Und dieser bestimmt unsere Welt, nicht der Wissensraum.
So ist es mit allem. Wir allen wissen, dass es Vorteile gibt. Doch viele mögen kein Internet-Banking, kein bargeldloses Bezahlen, kein Einkaufen bei Amazon, kein Arbeiten über Internet, kein online Meetings, keine sozialen Netzwerke – das Internet brauchen viele nicht. Nun aber kommt Corona und aus der Not heraus müssen wir nun alle Erfahrungen machen:
• Wer gar kein Internet hat oder auch kein Smartphone besitzt, macht jetzt einmal eine Erfahrung.
• Wer wissen will, beginnt jetzt zu "googlen", weil er niemanden fragen kann?
Nah ja, werden Sie sagen, dass ist ja übertrieben. So viele „Digibeten“ (digitalen Analphabeten) gibt es doch bei uns kaum mehr. Leider.

Aber, es geht viel weiter:
• Unterricht: Das Schul- und Universitätssystem spürt, dass es nur überall Versuche (auch gute, keine Frage) mit e-Learning gemacht hat, dass aber die Lehrer an der Normal-Schule nicht richtig von Ferne arbeiten können und die Unis eben die Vorlesungen nicht auf Video haben, obwohl man Jahre lang Zeit dazu hatte. Es wäre schon gut gewesen, wenn man alles nur mitgeschnitten hätte.
• Banking: Viele werden jetzt mit Online-Banking anfangen. Die Filialen werden rasch verschwinden. Und Bargeld...?
• Gesundheitswesen: Was Viele sich sehnlich schon wünschten, einem Doktor per Skype vorzuhusten und sich kontaktlos behandeln zu lassen, wird zum Realität. Ärztliche Behandlung wird in Zukunft anders.
• Apotheke: Paracetamol und andere Medikamente werden gehortet. Entscheidend, man kann sie einfach und bequem im Internet bestellen (ich habe nachgeschaut: die Niederländische Online-Apotheke DocMorris ist immer (24/7) für Sie da, gibt kaum Rabatte mehr und profitieren jetzt mächtig). Das Apothekensterben wird weitergehen.
• Einzelhandel: Wenn die Geschäfte schließen, kann man bei Amazon und überall sonst im Internet einkaufen, das werden jetzt auch viele Webshop-Hasser zum ersten Mal probieren. Das schadet dem stationären Handel… Sogar der Lebensmittelkauf geht online.
• Wirtschaft: Die Firmen erleiden jetzt schon hohe Verluste. Die Büros sind zu, aber ihre IT gar nicht zulässt, im Home-Office zu arbeiten. Die Mitarbeiter sind nicht ausgebildet. Man hat zwar Internet daheim, aber das SAP lässt sich nicht von daheim anwerfen. Die Firmen werden auch ihre Erfahrungen machen. Firmen brauchen Teamsoftware, damit Meetings im Netz stattfinden können, doch die IT gibt es oft nicht her… Und Firmen werden ihre Angst vor der Cloud aufgeben müssen…
Jedoch, im großen Ganzen sind das eigentlich nur die kleinere „Hick-ups“. Die große Änderungen kommen erst nachdem die Panik vorbei ist. Weil, Firmen lernen schnell; online geht vieles mehr als zuerst gedacht. Und dann kommen Fragen auf, wie digitalisieren wir strukturell die Prozesse, wer brauchen wir wirklich, wer kommt nach der Krise noch im Büro zurück, brauchen wir noch die Außendienstler,…… Brauchen wir Meetings oder geht das effizierter?

Wir erfahren auch, dass eine Wirtschaft, die keine Reserven und Puffer hat, schnell dahin ist. - Die Corona Epidemie ist so schlimm, weil die Krankenhäuser auch in Hochkonjunkturzeiten ans Limit gefahren wurden. -  Auf dieses Konto geht ein Teil der Wirtschaftsschrumpfung in 2020 und weit darüber hinaus.
Wirtschaften ohne Puffer, kurzfristiges kosteneinsparungsorientiertes Denken und Verhalten ist leichtsinnig, das war uns bewusst, aber wir erfahren es jetzt. Kaum Lager für Produktionsteile – wenn ein Autoteil aus China fehlt, kann das Band zum Stoppen bringen. - Das sehen wir auch daheim: Kein Klopapier und das Leben kann nicht weitergehen. - Die Profitsucht der CFO und der Beschaffung kalkuliert ohne Puffer und zack, das ganze Unternehmen kommt zum abrupten Stillstand!

Nun traf uns Corona – aber das leugnen so viele Leute. „Ich fühle mich gut. Ich bin jung! Ich kenne keiner mit Corona! Es wird übertrieben! Und ich darf nicht raus! Frischluft haltet Corona ab.“ Man muss aber erst diese Erfahrung machen, vorrechnen hilft nicht. Die Hälfte der Bevölkerung, die eine Abiturzeugnis hat, hat ordentlich kalkulieren, also Mathe vergessen: Die Zahlen zur Corona-Infektion entwickeln sich derzeit exponentiell (eine infizierte Person steckt in kurzer Zeit 2 bis 3 weitere an, diese in ebenso kurzer Zeit wieder jeweils 2 bis 3 weitere Personen, also jetzt schon 4 bis 9 usw.). Wenn sich die Zahl der Infektionen alle drei Tage weiter verdoppelt, dann sind in zwei Monaten alle von uns zigmal infiziert worden: Wenn es heute in Deutschland circa 10.000 sind, das sind 0,0125 Prozent von circa 80 Millionen, in drei Tagen 0,025 Prozent, in 3 Tagen ca. 12 Prozent, in 33 Tagen 25 Prozent, in 5 Wochen 50 Prozent. Die meisten wollen das nicht nachrechnen. – Ja, ich weiß, dass das Wachstum irgendwann abflacht - „Übertrieben, diese Ausgangsbeschränkungen?“  Aber, mir ist sicher, wenn wir stringente Ausgangsbeschränkungen haben sollten, flacht sich das Wachstum sofort ab.
Doch Corona bleibt. Es gibt immer Menschen, die Corona nur so gefährlich wie Grippe halten, impfen sich auch nächstes Jahr nicht gegen Corona, weil sie sich gegen Grippe auch nicht impfen ließen. Und dann gibt es immer noch „Noodle Brains“, die sich niemals impfen werden, weil „Ich bin ja jetzt immun!“

Manchmal hilft auch Erfahrung nicht, beim Impfen nicht und im Management. Wenn Erfahrungen nicht helfen, redet man von Dummheit  Unternehmen lernen aber nicht, nie. Die Unternehmen, diejenigen, die es überleben, werden aber kaum durch Erfahrung klug, sie werden wohl gleich wieder effizient…
Wenn Unternehmen digitalisiert werden“ beschreibt die Folgen dieser Sparneurose. Unternehmen werden nicht nur die internen Prozesse, aber auch die externe Prozesse, das Supply Chain, der Vertrieb und die Beschaffung digitalisieren, nicht weil das effektiv ist und zu besseren Unternehmensbeziehungen führt, aber nur, weil es Kosten einspart.
Effizienzdenken ist ja gut, meistens. Die Infizierung mit Kosteneinsparungsdominanz ist gefährlich. Aber das leugnen so viele Manager, die, obwohl sie jetzt die Auswirkungen erfahren, jenseits Corona im vollen Existenzkampf darauf konzentrieren werden. Sie meinen, dass Existenz mit Kostenreduzierung verbunden ist.

Vieles Alte wird schneller vergehen, als man es befürchten musste. Vieles Neues kommt aber schneller, als man für möglich halten würde. Nur aus Erfahrungen lernen wir. Der persönliche Erfahrungsraum bestimmt die Welt, nicht der Wissensraum. Die Folgen der Erfahrungen, die wir jetzt machen, werden nicht temporär sein, sie werden bleibende Realität. Es wird nie mehr so sein wie es einmal war.

Klaas Meekma

NB:
Was bedeutet das für mich? Meine Beratungen mache ich online über Skype und Zoom. Die Veranstaltungen, wofür ich gebucht bin, sind abgesagt bzw. verschoben. Mir ist sicher, im Kurze gibt es nur noch online Beratungen, Coachings und auch „virtuelle Talks“. Da steht man nicht mehr auf der Bühne, sondern wir  „zoomen“. Und Sie wissen wie das geht, wenn man ein Veranstaltungs-Format gefunden hat, was auch gut, aber viel billiger ist?

 

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