Die nächste Welle kommt

„Die nächste Welle der Automatisierung könnte ausgerechnet dort zuerst Arbeitsplätze vernichten, wo die elektronischen Helfer kaum auffallen: in der Verwaltung.“ Als ich heute Morgen diesen Satz in der Tageszeitung Die Welt las, musst ich schmunzeln. Der Journalist muss sicherlich noch jung sein. Weil, zuerst?

Vor fünfzig und mehr Jahren gab es in den Büros noch Schreibkräfte. Die Schreibmaschine hatte die Frau ins Büro gebracht, so wird mal gesagt. Dutzenden Olympia Schreibmaschinen und dutzenden Schreibkräfte, auf Englisch „Writing Pool“. Aber dann kam der PC. In den Büros entdeckte man, dass man auch selbst tippen könnten, statt etwas diktieren und schreiben lassen.
Doch jetzt befürchtet man, dass durch den Einsatz von Softwarerobotern in den kommenden zehn Jahren bis zu 25 Prozent der Bürojobs in Unternehmen wegfallen könnte. Ich zitiere: „In den Fabrikhallen sind Roboter längst angekommen. Jetzt bahnt sich eine ähnliche Revolution in Deutschlands Büros an. Verantwortlich für diese Entwicklung ist die robotergestützte Prozessautomatisierung (RPA), eine Technologie, die monotone Bürotätigkeiten übernimmt, die bisher von Menschen ausgeführt werden. Dabei handelt es sich noch nicht einmal um die Trend-Technologie Künstliche Intelligenz. Die Softwareroboter sind sogar vergleichsweise einfach gestrickt, aber für Unternehmen trotzdem attraktiv, weil sie relativ kostengünstig sind.“
Ich meine, solche Applikationen sind doch schon längst da? Und Künstliche Intelligenz ist doch keine Trend-Technologie? Streben nach Fortschritt und Qualität bedeutet doch, dass einiges sich ändern wird? Das Drücken eines Zeitungsartikels benötigt heutzutage auch keine Schriftsetzer mehr? Wieso sind wir so verwundert, wenn wir bemerken, dass die elektronische Rechnungsverwaltung automatisch, ohne der Mensch, beispielweise digital verschickte Rechnungen auslesen, die Werte prüfen und in das Abrechnungssystem übertragen. Oder Krankmeldungen an die Sozialversicherung übermitteln. Solche Applikationen sind doch schon seit vielen Jahren im Einsatz?
Warum sind wir so aufgeregt? Ist doch gar nicht nötig. Ich meine, so etwas nennen wir Fortschritt. Oder? Klar, es gibt immer Leute, die mehr Zeit brauchen sich etwas Neues anzugewöhnen. Everett Rogers hat nicht umsonst in seinem Buch ‚Diffusion of Innovations‘ von „Late Majority“, auf Deutsch die späte Mehrheit, geschrieben.
Was wir jetzt Fortschritt nennen, zum Beispiel das Internet, E-Mail und Roboter, nannten wir irgendwann auch mal Bedrohung. Ich kann es mir gut vorstellen, dass damals, als der PC in den Büros kamen, die Schreibdamen der Ankunft dieser Schreibmaschinen mit Bildschirm von IBM oder Apple eher als Bedrohung statt Fortschritt sahen. Nur, weil sie ihren Arbeitsplätzen verloren. So auch wird die weitere Digitalisierungsentwicklung unweigerlich Jobs kosten. Aber auch neue Jobs bringen.

Bitte, seien Sie sich bewusst, es ist erst der Anfang. Im Produktionsprozess ist schon weitgehend robotisiert. Die körperliche Arbeit des Menschen ist weitgehend ersetzt. Lange Zeit ist gedacht worden, dass die Automatisierung sich nur auf relative einfache Wiederholungshandlungen beschränkte. Jetzt stehen die Informationenverarbeitende Berufe zur Frage. Dabei werden aber nicht nur die monotone Bürotätigkeiten übernommen. Der Arbeitsplatz des Buchhalters, des Bank- und Versicherungsangestellter, der Verwaltung, des unteren Managers und auch die Jobsicherheit der Verkäufer und der Einkäufer sind bedroht.
Die Maschinen werden immer mehr den Sinnraum von Menschen verengen. So lange es im Privatleben nur nützlich ist, sowie Siro von Apple, dann anscheinend ist es für uns Menschen leicht zu akzeptieren. Aber wenn ich schreibe, dass zum Beispiel Verkäufer, Einkäufer und die unteren Manager, sowie Vertriebsleiter und Einkaufsleiter, im Kurze ersetzt werden von Computer, von künstliche Intelligenz, von Blockchaintechnologie und Smart Contracts, dann ändert die Meinung. Vielleicht sind Sie skeptisch. Vielleicht werden Sie heute noch lachen. Übermorgen werden Sie jedoch möglicherweise depressiv sein über Fragen wie: Wo bleiben wir? Was ist der Sinn unseres Lebens? Was müssen wir dann, wenn es keine Arbeit mehr gibt? Möglicherweise werden Sie dann anfangen zu schimpfen. Werden Sie behaupten, dass niemals wir erlauben sollen, dass der Maschine uns ersetzen darf. Vielleicht werden Sie irgendwann mal anfangen sich gegen diesen Entwicklungen zu wehren?
Menschen haben immer wieder sich gegen Neuentwicklungen gewehrt. Von dem Dampfzug würde gesagt, dass die Kühe keine Milch mehr produzieren wurden. Das Auto musste von eine, mit einer Warnungsfahne ausgestattete Person begleitet werden. Mit den elektrischen Zügen würde der Heizer überflüssig, hat jedoch noch Jahren sinnlos auf der Lok mitgefahren.

Seit Jahrhunderte versuchen Manager die Unternehmen zu optimieren. Mit großen Erfolgen. Die internen primäre Prozesse sind fast völlig optimiert, wenn noch nicht ganz hundertprozentig, dann doch schon für 99,5 Prozent. Da bleibt nicht viel mehr. Deswegen bekommen die informationsverarbeitende Prozesse immer mehr Aufmerksamkeit. Diese Informationsverarbeitung, die Verwaltung ist das Letzte, was der Prozessexzellenz-orientierte Manager noch optimieren könnte. Zumindest, wenn er mit dem Optimieren noch nicht angefangen hat. Klar, nicht jeder ist ein Vorreiter.
Wenn intern fast alles optimiert ist, muss man feststellen, ich bin mir davon sicher und vielleicht sind Sie auch der Meinung, dass das Führen und Managen eines Unternehmens doch ziemlich einfach geworden ist. Wenn Sie das Unternehmen intern schon optimiert haben, läuft es ja fast von alleine? Oder werden wir erneut eine Aufgabe zu optimieren finden? Klar, es gibt sicherlich immer besseren Applikationen, sowie der Journalist gerade entdeckt hat.

Ich bin der Meinung, das Große muss noch kommen. Weil draußen, also außerhalb des Unternehmens, da wo Unternehmen mit anderen Unternehmen interagieren, ist kaum etwas optimiert. Doch aber unbedingt notwendig und es eilt.
Warum ist das so? Die große Fortschritte der kommenden Jahren wird nicht in der Optimierung des internen Prozesses liegen, aber extern, außerhalb das Unternehmen, in den interorganisationalen Beziehungen. Denken Sie an den Verkauf, Einkauf, Supply Chain. Das Optimieren, bzw. die Digitalisierung von diesen interorganisationalen Prozessen ist die Herausforderung, wofür das Management in den kommenden Jahren steht. Diese neue Welle der Automatisierung wird eine größere Auswirkung haben als die Einführung einige Verwaltungsapplikationen. Es wird die Unternehmensstrukturen und Prozesse, aber auch die Geschäftsmodelle revolutionieren.

Klaas Meekma.

 

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